WE ARE CAMERA/ JASONMATERIAL

von Fritz Kater

WE ARE CAMERA/JASONMATERIAL kommt wie ein Agententhriller daher und ist doch sehr viel mehr: Ehetragödie, Pubertätsdrama und Erinnerungsspiel. Ein Deutschlandbild als Familienpuzzle. Der Großteil der fragmentarischen Handlung trägt sich Silvester 1969 in einem Hotel in Helsinki zu. Dazwischen: Zeitsprünge, Schnappschüsse, szenische Polaroids. März 1975, Dezember 1981, Herbst 1992. Momentaufnahmen wie aus einem Familienalbum. (…) ‚so dich beim filmen filmen/eine camera die dich selbst verstehen lernen will/auf der suche nach den dingen die du bist‘ – das ist das Motto, nach dem Fritz Kater in diesem Stück verfährt. Es ist ein Umkreisen von Existenz, ein Switchen und Zappen durch die Dinge des Lebens, eine postdramatische Gratwanderung zwischen Reality-Soap, Mythos und Melodram. Wie alle Kater-Stücke ist auch dieses in einer lakonisch knappen, rhythmisch schnellen Sprache geschrieben, es enthält epische und poetische Passagen, Brüche und Lücken, die Raum lassen für Fragen – und für den Nachhall von Welt. 

Regie und Übersetzung: Krzysztof Minkowski, Ausstattung: Konrad Schaller, Justyna Łagowska, Musik: Tomasz Gadzina, Darsteller: Iwona Lach, Anna Ludwicka, Robert Mania, Bogusław Siwko, Marcin Pempuś

»Ich hab mich totgelacht bei der grandiosen Antwort des finnischen Rezeptionisten, gesprochen mit einem wunderbaren Akzent von Robert Mania. Diese schlagfertige Antwort lautete ungefähr so: “I’m not Hitler, I give you the room”. Manche Debuts lassen alle Glocken in der Stadt läuten, andere bleiben im Bereich des Schultheaters. Minkowskis Farce in Jelenia Góra zeigt, dass der junge Regisseur ein Gefühl für Humor und Stil hat. Er kämpft um nichts, er beleidigt niemanden, er bringt nichts durcheinander. Ist das viel oder wenig für den Anfang? Sehen sie selbst!«
Jacek Wakar| Dziennik| 13. Juni 2008

»Die Schauspieler sind perfekt aufeinander abgestimmt, das Ganze läuft rhythmisch und rasant. Minkowski bricht kein Tabu, provoziert nicht, aber trotz der Komik werde ich eine Szene nicht vergessen, in der John mit der Seife in der Hand über nackte Juden in der Gaskammer spricht. […] Minkowskis Inszenierung, der mit dem Text von Fritz Kater auf dieser Seite der Oder sein Debut feiert, ist in seinem Konzept zweifellos konsequent.«
Wojciech Wojciechowski, Nowa Siła Krytyczna, 19. Juni 2008

Premiere am 05.06.2008 im Teatr Jeleniogiórski