DÄMONEN

nach Fjodor Dostojewski

Eine Inszenierung mit Gefangenen der JVA Charlottenburg in Zusammenarbeit mit aufBruch

Nihilisten, Anarchisten, Terroristen sitzen in der Garage und führen Krieg gegen die Gesellschaft. Sie wollen die Verhältnisse ändern und jeder will etwas anderes. Sie bewegen sich in einem moralischen Vakuum, in das sie ein neues Wertesystem setzen wollen. In der Ablehnung entsteht allerdings keine Alternative, sondern lediglich eine Rechtfertigung für die eigene Grenzüberschreitung. Wut und Selbstmitleid führen nicht zu Veränderung, sondern zu Egoismus, Misstrauen und Isolation. Dostojewskis Roman ist eine Beschreibung des Nihilismus, das heißt der Erfahrungen und Denkweisen, denen der Verlust von Sinn und Werten, eines festen Haltes, die Erfahrung des Schwindens fester Gewissheiten und Orientierungspunkte, eben die Erfahrung des „Nichts“ gemeinsam ist. Seine revolutionären Nihilisten bilden keine feste Gruppe, sondern vereinigen sich lose mit dem diffusen Ziel, die Gesellschaft zu verändern. Alle haben unterschiedliche Vorstellungen, was das bedeutet und wie das funktionieren soll. Der unbegrenzte Individualismus führt zu asozialem Verhalten untereinander und schließlich zu mehrfachem Mord, Selbstmord und Wahnsinn.

Konzept und Regie  Krzysztof Minkowski, Dirk Moras Ausstattung Konrad Schaller Regieassistenz Hanni-Isabell Barfuss Ausstattungsassistenz Kathi Dyck Produktion Sibylle Arndt (aufBruch) Pressearbeit Caro Forkel (aufBruch) Schauspiel Ensemble der JVA Charlottenburg

Lebadkin platzt fast vor Hass auf seine behinderte Schwester. Er schreit und spuckt, hält mit hochrotem Kopf einen langen Monolog, in dem sich seine ganze Wut auf die »verkrüppelte Schlampe« entlädt, die nichts kann, außer ihn zu nerven und Chaos zu verbreiten. »Eines Tages mach’ ich sie platt«, droht er und stampft zur Veranschaulichung einen Karton zu Brei, während seine Kameraden jubeln und klatschen. Adrian Schäfer spielt diesen Wüterich mit Verve und Talent. Er ist einer der neun Charaktere aus dem Stück »Dämonen«, das die Regisseure Moras und Minkowski zusammen mit dem aufBruch-Gefängnistheater in der Justizvollzugsanstalt Charlottenburg inszeniert haben.«
Neues Deutschland, 23.11.2012

»Der Terror richtet sich keinesfalls „nur“ nach Außen auf eine imaginäre Gesellschaft als Feind, sondern führt gleichfalls die Aggressionen der Mitglieder unter einander vor. Wer nicht „das Mädchen mit dem blöden Blick in der ersten Reihe“ mit einer Holzlatte schlagen will, nicht dazu imstande ist, wird ausgeschlossen, ist nicht mehr für die Zelle zu gebrauchen. Das wird eindrucksvoll und höchst bedrückend in einer Pantomime zum Thema aus Peter Tschaikowskys Schwanensee vorgeführt. Warum schlägt er nicht zu? Stattdessen zittert die Lippe wie bei Dostojewskijs Goljadkin. Ist das jetzt eine Memme? Oder ein Widerstand gegen den (Test-)Befehl von Fedjka Katschorny (Nikolai Plath) aus Menschlichkeit? Spricht durch das hochemotionale Schwanensee-Thema die Tragik der Gewalt?«
www.nightoutatberlin.jaxblog.de, 25.11.2012

Premiere am 21.11.2012 in der JVA Charlottenburg