HEXENJAGD

von Arthur Miller

Salem, Massachusetts, 1692: Eines Nachts überrascht Pastor Parris seine halbwüchsige Tochter Betty, seine Nichte Abigail und andere junge Mädchen des Ortes, die zusammen mit der Sklavin Tituba im Wald zu fremdartiger Musik seltsame Tänze aufführen. Aus Angst vor Strafe flüchtet sich Betty in eine Ohnmacht, aus der sie am nächsten Morgen immer noch nicht aufzuwachen scheint. Schnell spricht sich in der puritanischen Kleinstadt herum, dass es im Hause Parris nicht mit rechten Dingen zugeht, und es kursiert das Gerücht der Hexerei. Als dann auf Veranlassung Parris‘ der Hexenspezialist Pastor Hale erscheint, bricht inSalem ein regelrechter Hexenwahn aus. Die Stimmung ist aufgeheizt und die Angst der Mädchen groß. In ihrer Not beschuldigt Abigail plötzlich Tituba der Hexerei, die wiederum, in die Enge getrieben, wahllos andere Frauen anklagt. Durch die gegenseitigen Denunziationen beginnt eine Hexenjagd, in die immer mehr Bewohner des Ortes hineingezogen werden …  Aktueller denn je: Entstanden unter dem Eindruck der spektakulären Untersuchungstätigkeit wegen „antiamerikanischer Umtriebe“ unter Senator McCarthy, hat der amerikanische Dramatiker Arthur Miller mit seinem 1953 uraufgeführten Werk das Modell einer ideologischen Massenhysterie auf die Bühne gebracht, das die Folgen für eine Gesellschaft aufzeigt, die – dominiert von Moral, Tabus, Zwängen und Schuldbewusstsein – alles von der Norm Abweichende erstickt.

Inszenierung Krzysztof Minkowski, Ausstattung Konrad Schaller, Dramturgie Nina Stazol, Schauspiel Danielle Green, Marcus Schäfer, Silvia Rhode, Luzian Hirzel, Tobias Feind, Boglárka Horváth, Christian Hettkamp, Meda Gheorghiu-Banciu, Oliver Losehand, Tim Kalhammer-Loew, Wendy Michelle Güntensprenger

»Im Zentrum der Inszenierung von Regisseur Krzysztof Minkowski steht das Grundgefühl der Angst, die solche Hysterie nährt und abergläubisches Misstrauen in schonungslose Taten kippen lässt. Dabei geht es ihm nicht um psychologischen Realismus. Die Figuren schreien ihre Angst heraus, brüllen, toben.(…) Getragen wird das Stück von der ausgezeichneten schauspielerischen Leistung des ganzen Ensembles: Tobias Fend als fanatischer Pfarrer sowie Wendy Michelle Güntensperger, Boglárka Horváth, Danielle Green, Tim Kalhammer-Loew, Christian Hettkamp, Meda Gheorghiu-Banciu, Marcus Schäfer, Silvia Rhode, Luzian Hirzel und Oliver Losehand.«
www.seiten.ch, 30.03.2015

»Durchwegs stark sind die schauspielerischen Leistungen: Fast schon diabolisch geniesst Oliver Losehand seinen Auftritt als Reverend Hale, der als Teufelsexperte nach Salem gerufen wird. Bauer John Proctor, eindringlich gespielt von Marcus Schäfer, durchschaut die Lügen und vorgetäuschten «Anfälle» der Mädchen. (…) In der bewegenden Schlussszene lässt sich der zum Tod verurteilte Proctor von seiner Ehefrau (hervorragend: Boglärka Horväth) widerwillig zum «Geständnis» überreden. Zuletzt aber zerreisst er das Papier und verzichtet auf die Begnadigung, um als aufrechter Mann zu sterben. „Jetzt hat er seine Würde“, sagt seine Frau Elizabeth, „verhüte Gott, dass ich ihm die nehme“«
Bieler Tagblatt, 30.03.2015

Premiere am 28.03.2015 am Theater St. Gallen