DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT

Schauspiel von Rainer Werner Fassbinder

Petra von Kant steht nach Jahren harter und ehrgeiziger Arbeit dort, wo sie immer hinwollte: Sie ist eine gefragte Modedesignerin. Doch selbst der größte Erfolg kann Petra nicht erfüllen. Sie hat eine dramatisch gescheiterte Ehe zu verkraften, fühlt sich leer und ausgebrannt und flüchtet in den Alkohol. Als die junge Karin Thimm bei Petra auftaucht, scheint eine Veränderung möglich. Fasziniert stürzt sich Petra auf die junge Frau und entwickelt regelrecht obsessive Gefühle für sie. Mit Luxus und der Aussicht auf Erfolg als Model versucht sie das Mädchen an sich zu binden. Doch Karin wird die Beziehung schnell zu eng, und sie verlässt Petra…Fassbinder zeichnet in seinem Kammerspiel (1972) eine faszinierende und schillernde Frauenfigur vor den Trümmern ihrer gesellschaftlichen Existenz. Petras glamouröses Leben entpuppt sich als ein kaltes Gefängnis. Jeder Versuch, Liebe zu leben, wird ihr zur Abhängigkeit, Obsession oder Verletzung. DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT ist Gesellschaftssatire und Melodrama, aber auch eine Versuchsanordnung über die verschiedenen Möglichkeitsformen menschlicher Beziehungen.

Inszenierung: Krzysztof Minkowski, Bühne und Kostüme: Konrad Schaller, Dramaturgie: Thomas Gipfel, Besetzung: Anke Fonferek, Claudia Frost, Miriam Haltmeier, Elisabeth Hütter, Jan Arne Looss, Regina Vogel

»Ganz in Rosa bellt die Freundin Sidonie vorm Fenster von draußen herein. Sie und Petra von Kant bauen sich frontal vor dem Publikum auf und versprühen von dort aus ihr Gift. Natürlich war’s ein Mann, der für Petras Gemütszustand verantwortlich ist. „Er stank! Er stank nach Mann. Wie Männer eben stinken. Was vorher reizvoll für mich war… jetzt hatte ich nur Brechreiz, Tränen in den Augen. Und wie er mich bestieg…“ Die zwei Damen wiederum gönnen sich keinen Fetzen von Glück, und es ist eine Freude, wie Elisabeth Hütter als Sidonie und Claudia Frost in aller Künstlichkeit ihre aufgesetzte Freundlichkeit ausbreiten. (…) Hier sind zwei große Expertinnen fürs alltägliche Unglück am Werk.«
www.nachtkritik.de, 05.04.2019

»Claudia Frost spielt das am Anfang deutlich heraus, erschöpft, müde, um dann, wenn ihre Geschichte rekonstruiert wird, mit voller Kraft einzusteigen. Tauchen dabei im Dialog mit Sidonie von Grasenabb, der Elisabeth Hütter eine überlegene süffisante Note gibt (…) Minkowski macht das bildlich sehr deutlich, mit zunehmender Dauer agieren die Spielerinnen immer mehr an der Rampe direkt zum Publikum hin.(…) Wenn durchaus manches rätselhaft-ungelöst bleibt, ist doch eine spannende Produktion entstanden, über die die Debatte lohnt.«
www.die-deutsche-buehne.de, 06.04.2019

»Claudia Frost füllt die vielschichtige Rolle der Petra von Kant genussvoll und überzeugend aus. Ob zynisch, herrisch, traurig, verzweifelt oder (für kurze Zeit) euphorisch-verliebt – sie trifft den richtigen Ton. (…) Das wunderbar intensive, stumme Spiel von Jan Arne Loos verstärkt die komplizierte Beziehung der beiden und sorgt mitunter für komische Momente. (…) Applaus gab es für den Abend, der schroff begann, Türen aufriss – und Bilder im Kopf entstehen ließ.«
Allgäuer Zeitung. 09.04.2019

Premiere am 05.04.2019 am Theater Memmingen