DISCO PIGS

Schauspiel von Enda Walsh

Zwei Jugendliche, perspektivlos, voller Gewaltfantasien und ohne Orientierung, wachsen in einer irischen Kleinstadt auf: Sie saufen, klauen, tanzen ab, fahren ans Meer. Sie sind voller Aggressionen gegen Dritte, ihre Freundschaft zueinander dagegen ist fast zärtlich. Pig, der Junge, und Runt, das Mädchen, wurden am selben Ort, in der selben Minute geboren. Sie sind befreundet seit sie denken können. Jetzt feiern sie gemeinsam ihren 17. Geburtstag, ziehen durch die Straßen, durch Discos und Kneipen, doch erkennen sie, dass ihre selbstgeschaffene Sprache und ihre gemeinsamen Träume nicht mehr funktionieren. Ihre Jugendfreundschaft zerbricht. Das Stück von Enda Walsh spielt nicht nur in Irland. Es richtet den Blick auf eine Generation junger Menschen, die in einer von sozialer Kälte und Hoffnungslosigkeit geprägten Umgebung aufwachsen. Es spielt hier und heute.

Regie: Krzysztof Minkowski, Ausstattung: Konrad Schaller, Schauspiel: Jens Tramsen, Susanne Hessel

»Bemerkenswerte Schauspielerleistungen erlebt das Publikum in diesem 60-Minuten-Schauspiel. Hessel wirkt dort besonders stark, wo sie ihren Körper bis in die aufgerissenen Augen sprechen lässt, wenn sie regungslos am Bühnenrand sitzt und den sexuell aufheizenden Worten Pigs lauscht. Und Tramsen, der Brutalo, der den Typen zusammentritt, der seine Runt in der Disco anbaggert, offenbart an anderer Stelle Sinnlichkeit und Gefühl, wenn er seine Märchenprinzessin mit Kosenamen überschüttet. Doch das Leben schlägt das Märchenbuch zu und piekt das gemeinsame Luftschloss an.«
Uwe Kraus, Mitteldeutsche Zeitung, 6. 11.2007

»Da gibt es, beim Besuch einer Spießbürgerkneipe, eine krasse Heino-Parodie, deutschnationalen Fußballmief in Hitlerattitüde, eine witzig böse Mozartparodie als Attacke wider das Kulturestablishment… Das alles ist von der Regie mit lokalen Befindlichkeiten aktuell gewürzt, hat ungemeines Tempo in verstümmelt urwüchsiger, brachial saftiger Sprache, deren Entschlüsselung vor allem dem etwas reiferen Zuschauer höchste Konzentration abfordert. […] Eine brachiale Explosion für Auge, Ohr, Hirn und Herz – nicht nur für Jugendliche – und mit begeistertem Applaus gefeiert. Hingehen, angucken!«
Jörg Loose, Halberstädter Volksstimme, 2. 11. 2007

»Thomas Ostermeier setzte 1998 im Malersaal des Hamburger Schauspielhauses bei seiner Inszenierung von „Disco Pigs“ auf die gewalttätige Energie seiner Figuren und auf ein atemberaubendes Spieltempo. Sein Regie-Schüler interessiert nun am Nordharzer Städtebundtheater viel mehr, warum eine so intensive Freundschaft zwischen zwei Menschen auseinandergeht. […] Dem Regisseur gelingt es, diese Geschichte aus der Authentizität Irlands und seiner Landschaft am Meer heraustreten zu lassen. Sie kann hier und heute, nebenan und unter uns spielen und das nicht nur, weil in den Erlebnis-Erinnerungsspielen von Pig und Runt solche Sätze wie „Hau ab, schwule Theatersau“ unvermittelt an die nächtlichen Gewalttätigkeiten im August 2007 in Halberstadt gegenüber Schauspielern des Theaters erinnern. […] Kann Theater mehr leisten?«
Dr. Herbert Henning, Volksstimme, 1. 11. 2007

Premiere am 30.10.2007 am Nordharzer Städtebundtheater